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Wie Du strukturiert für die Approbationsprüfung lernst

Wann melde ich mich an? Welche Unterlagen brauche ich? Wie viel Zeit muss ich einplanen. Antworten auf diese Fragen bekommst Du in diesem Artikel!
Inhalt

Während der Ausbildung weiß man meist kaum, was bei der Approbationsprüfung auf einen zukommt. Oft vermeidet man sogar die gedankliche Auseinandersetzung mit der großen “bösen” Prüfung. Da Vermeidung langfristig selten eine gute Lösung ist und das Problem gedanklich oft größer erscheinen lässt als es in der Realität wirklich ist, bekommst Du in diesem Artikel einen ersten Überblick über die Meilensteine der Approbationsprüfung.

Eine grobe Übersicht welche Dinge bis zur Approbationsprüfung zu erledigen sind und wie viel Zeit Du dafür ca. einplanen solltest.
Eine grobe Übersicht welche Dinge bis zur Approbationsprüfung zu erledigen sind und wie viel Zeit Du dafür ca. einplanen solltest.

Wann melde ich mich zur Prüfung an?

Es lohnt sich nach Abschluss der 500. Behandlungsstunde grob zu planen, wann Du die Abschlussprüfung machen möchtest. So fokussiert man sich mehr und wartet nicht unnötig lange. Rechne Dir daher aus, wie viele Wochen Du noch benötigst, um Deine 600 Behandlungsstunden abzuschließen. Falls Du Deine Approbationsprüfung gerne so früh wie möglich hinter Dich bringen möchtest, dann informiere Dich bei Deiner Ausbildungseinrichtung bis wann Du Deine Theorie- und Behandlungsstunden spätestens absolviert haben musst. Bei den meisten Ausbildungseinrichtungen musst Du diese bei der Anmeldung noch nicht vollständig haben. Häufig reicht es, dass Du die Theorie- und Behandlungsstunden bis zur mündlichen Prüfung gesammelt hast. Um Dich für die Approbationsprüfung anmelden zu können, benötigst Du von Deiner Ausbildungseinrichtung eine Ausbildungsbescheinigung. Um diese zu erhalten, musst Du i.d.R. 3-4 Monate vor der schriftlichen Prüfung folgendes vorzeigen:

  • Deine Nachweise über:
    • Die praktische Tätigkeit 1 und 2,
    • 600 Theoriestunden,
    • 120 Selbsterfahrungsstunden,
    • 600 Behandlungsstunden sowie 100 Gruppen- und 50 Einzelsupervisionsstunden
  • Falldokumentationen Deiner Ausbildungspatienten

Um Dir unnötigen Stress bei der Prüfungsanmeldung zu sparen und ausreichend Zeit zum Lernen zu haben, erledige die Falldokumentationen so früh Du kannst. Am besten direkt nach Beendigung der jeweiligen Therapie. Das erfordert einiges an Motivation, aber Du wirst Dir bei der Prüfungsvorbereitung dafür danken!

Wie melde ich mich zur Prüfung an und welche Unterlagen benötige ich?

Die Abschlussprüfung wird vom Landesamt für soziale Dienste (LASD) abgenommen. Deine Anmeldeunterlagen müssen i.d.R. zwei Monate vor der schriftlichen Prüfung dort eingehen. Meistens übernehmen die Ausbildungseinrichtungen die Übergabe der Anmeldeunterlagen. Eingereicht werden i.d.R.:

  • Antrag auf Zulassung zur staatlichen Prüfung (auf den Internetseiten der jeweiligen Landesregierung / Ausbildungseinrichtung), inkl.
    • Geburtsurkunde (Original/beglaubigte Kopie)
    • Heiratsurkunde / andere Namensänderung (Original/beglaubigte Kopie)
    • Urkunde und Zeugnis Diplom / Master (Original/beglaubigte Kopie)
    • Ausbildungsbescheinigung (Original)
    • PT1- und PT2-Bescheinigung (Original)
    • Passfoto mit dem Namen auf der Rückseite
    • 2 Prüfungsfälle (können i.d.R. bis eine Woche vor der mündlichen Prüfung nachgereicht werden)
  • Meldebeleg zur Prüfung für Psychologische Psychotherapeuten

Falls Du originale Unterlagen einreichst, erhältst Du diese bei der schriftlichen Prüfung zurück. Wenn alles geklappt hat, erhältst Du 2-3 Wochen später Deine Einladung zur schriftlichen Prüfung als Einschreiben per Post. Es ist ganz wichtig diese aufzubewahren, da Du sie bei der schriftlichen Prüfung vorlegen musst.

Wie schreibe ich meine Prüfungsfälle?

Für Deine mündliche Einzel- und Gruppenprüfung wählst Du zwei Prüfungsfälle von Deinen Ausbildungstherapien aus. Wähle zwei Fälle aus, mit denen Du Dich wohlfühlst und Dich gut in den/die Patienten/in einfühlen kannst. Diese Fälle müssen nicht perfekt sein. Empfehlenswert sind aber Fälle, bei denen Du Dich grob an ein Therapierational gehalten hast, da so die Therapiestruktur und Behandlungsmethoden gut vertretbar und nachvollziehbar sind. Besorge Dir Prüfungsfälle von bereits approbierten Kommilitonen sowie Literatur (z. B. Praxisleitfaden Verhaltenstherapie: Störungsspezifische Strategien, Therapieindividualisierung, Patienteninformationen von Gall-Peters & Zarbock), die Dich beim Schreiben Deiner Prüfungsfälle unterstützen. Lass Deine Prüfungsfälle von verschiedenen Personen (Kommilitonen sowie Supervisoren) Korrektur lesen. Dieser Prozess ist zeitlich nicht zu unterschätzen. Neben der Arbeit und dem Alltag solltest Du Dir dafür circa 6-8 Wochen Zeit einplanen.

Wie bereite ich mich auf meine schriftliche Prüfung vor?

Es fallen nur circa 5 % in der schriftlichen Prüfung durch. Ein großer Teil der nicht bestandenen Prüfung entstehen durch Übertragungsfehler.

Bei der Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung ist es zum einen wichtig, den prüfungsrelevanten Inhalt des IMPP-Gegenstandskatalogs zu lernen, aber auch die Fertigkeit des Kreuzens zu entwickeln. Beim Kreuzen gibt es einige Besonderheiten wie Negation, Einfach- & Mehrfachantworten sowie Ausschlussverfahren zu beachten. Außerdem entwickelst Du mit dem Kreuzen ein Gefühl für die Fragen, Schwerpunkte und Prüfungsinhalte. Dazu haben wir gemeinsam mit der DPtV die Kreuzen-App entwickelt, die für DPtV-Mitglieder kostenfrei ist.

Zum Lernen der prüfungsrelevanten Inhalte empfiehlt es sich nicht den Gegenstandkatalog des IMPP selbstständig zu erarbeiten. Im Lehrbuch „Das Repetitorium: Lehr- und Lernbuch für die schriftlichen Abschlussprüfungen zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“ von Kandale & Rugenstein sind die Inhalte effizient und nachvollziehbar aufbereitet. In den letzten Prüfungen wurden jedoch zunehmend Fragen zur systemischen Therapie und Gesprächstherapie gestellt. Diese Themen sind in der letzten Ausgabe des Repetitoriums von 2017 noch sehr oberflächlich behandelt worden. Es empfiehlt sich zu diesen Themengebieten weitere Literatur zu konsultieren, z. B.:

Systemische Therapie:

  1. kostenfreies PDF zur systemischen Therapie von Kandale & Rugenstein
  2. Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung von Schlippe & Schweitzer
  3. Lehrbuch Psychotherapie Teil 1 von B. Strauß, F. Hohagen & F. Caspar, Kapitel Theorie und Praxis der Systemischen Psychotherapie, S. 261-286.

Gesprächspsychotherapie:

  1. Gesprächspsychotherapie: Lehrbuch für die Praxis von Eckert, Biermann-Ratjen, Höger
  2. Lehrbuch der Psychotherapie für die Ausbildung zur/zum Psychologischen PsychotherapeutIn und für die ärztliche Weiterbildung, Band 1: Wissenschaftliche Grundlagen der Psychotherapie von W. Hiller, E. Leibing, F. Leichsenring & S.K.D. Sulz, Kapitel Gesprächspsychotherapie, S. 343-352

Da Ihr diese Bücher nicht von vorne bis hinten durcharbeiten müsst, lohnt es sich nicht sie zu kaufen. Schaut am besten in Euren Institutsbibliothek nach, was für Grundlagenliteratur Ihr zu den Themen so findet.

Da in der Prüfung besonders viele Fragen zu Diagnosekriterien gestellt werden, sollte man auch den Taschenführer des ICD-10 aufmerksam durcharbeiten. Hier lohnt sich der Kauf, da Du dieses Buch in der Praxis immer wieder gebrauchen kannst. Du musst zwar nicht alle Kriterien auswendig kennen (nur die bei denen man genau unterscheiden muss z. B. ab wann leichte/mittelschwere/schwere depressive Episode/somatisches Syndrom, Somatoforme Störungen), jede Störung sollte Dir aber etwas sagen. Zudem solltest Du wissen, welche Störungen sich in welchen Kapiteln befinden und Zeit- & Alterskriterien sowie Besonderheiten kennen (Beispiel: Somnabulismus und Narkolepsie befinden sich in unterschiedlichen Kategorien, obwohl beide zu den Schlafstörungen zählen). Falls Du noch Zeit hast, kannst Du Dir außerdem die Kurzversion der S3-Leitlinien in der kostenfreien DGPPN App durchlesen.

Du kennst Deinen Lerntyp am besten und solltest Deine Lernstrategie daran anpassen. Aufgrund der Menge der Inhalte sowie der guten Aufbereitung durch das Repetitorium ist es aber nicht zwingend notwendig, dass Du ein eigenes Lernskript erstellst. Wichtiger ist das tägliche Kreuzen, das aufmerksame Durchlesen des Repetitoriums und der ICD-10 und ggf. ein wöchentliches Treffen mit einer kleinen Lerngruppe, um Lernverknüpfungen zu vertiefen und offene Fragen zu Besprechen.

Es fallen nur circa 5 % in der schriftlichen Prüfung durch. Ein großer Teil der nicht bestandenen Prüfung entstehen durch Übertragungsfehler. Daher sollte zum Schluss das Kreuzen unter „Realbedingungen“ geübt werden. Dazu solltest Du Dir den IMPP-Antwortbogen herunterladen und ausdrucken. In der E-Learning-App der DPtV halten wir die Fragen der letzten zwei Klausuren in einer eigenen Kategorie, sodass Du Dir diese Fragen „aufsparen“ kannst. Kreuze zunächst einige Altklausuren mit Fragen, die Du schon in der App gelernt hast. Wenn Du Dich sicher fühlst, kannst Du die zwei letzten Altklausuren mit noch unbekannten Fragen kreuzen, um die echte Prüfung so realistisch wie möglich zu simulieren.

Wie bereite ich mich auf meine mündliche Prüfung vor?

4-6 Wochen nach der schriftlichen Prüfung folgen die beiden mündlichen Prüfungen. Die Vorbereitung ist deutlich unstrukturierter als auf die schriftliche Prüfung, da die Prüfungsinhalte von Prüfungsfall zu Prüfungsfall variieren. Aber auch hier kannst Du mit etwas Vorbereitung eine gute Basis für eine erfolgreiche Prüfung schaffen.

Lies Dir nochmal Deine Prüfungsfälle durch und formuliere Dir jeweils eine circa 5 Minuten lange Einleitung zu Deinen Prüfungsfällen. Ziel ist es, dass Deine Prüfer dadurch ein klares Bild Deines Patienten und Deines Vorgehens bekommen. Übe diese Einleitung regelmäßig laut, auch vor anderen. Oft stellen Prüfer Fragen zu Ihren Spezialgebieten. Recherchiere daher Deine Prüfer und lies Dir deren Seminarunterlagen oder Literatur durch. Auch die Kapitel des Repetitoriums „Rahmenbedingungen“ und „Verhaltenstherapie“ bzw. „Psychoanalytische Verfahren“ können insbesondere für die Gruppenprüfung sehr hilfreich sein. Informiere Dich über typische Themen oder Fragen aus vorherigen Prüfungen. Recherchiere Sie und überlege Dir passende Antworten. Lese Dir die Prüfungsfälle Deiner Mitprüflinge aus der Gruppenprüfung durch, informiere Dich nochmal zu den Diagnosen sowie Behandlungsplänen und tausche Dich ggf. mit Deinen Mitprüflingen aus. Zu guter Letzt: übe die Prüfungssituation mit Deinen Supervisoren und Kommilitonen. Lass Dir Fragen zu Deinen Fällen stellen. Recherchiere das, was Du nicht wusstest und übe Dich in der Prüfungssituation. Versuche Dich in der Prüfungssituation gut zu präsentieren. Das heißt nicht, dass Du alles wissen musst. Ein „Ich weiß gerade nicht, was Sie von mir wollen“ ist gar nicht schlimm. Zeig jedoch, was Du weißt und scheu Dich nicht davor Deinen Standpunkt zu erläutern, aber auch Fehler einzugestehen.

Zusammenfassung

In diesem Artikel hast Du einen Überblick über die Meilensteine der Approbationsprüfung bekommen, von Prüfungsanmeldung bis hin zur mündlichen Prüfung. Wir haben kurz und knackig unsere wichtigsten Tipps und Empfehlungen mit Dir geteilt.

Die wichtigsten Quellen für die Prüfungsvorbereitung sind:

  1. Repetitorium von Kandale & Rugenstein
  2. E-Learning-App der DPtV (PiA App)
  3. Taschenführer des ICD-10

Nice-to-have:

  1. Praxisleitfaden Verhaltenstherapie: Störungsspezifische Strategien, Therapieindividualisierung, Patienteninformationen von Gall-Peters & Zarbock
  2. DGPPN App mit den S3 Leitlinien

Wir wünschen Dir ganz viel Erfolg bei Deinen Prüfungen und hoffen wir konnten Dir mit diesem Artikel etwas weiterhelfen!

Tester gesucht!

Wir arbeiten gerade an einem Onlinekurs zur Vorbereitung auf die Approbationsprüfung. In diesem behandeln wir die Vorbereitung auf die Approbationsprüfung in der Tiefe und liefern Dir Beispiele und Zusatzmaterialien, die Dich bei der Prüfungsvorbereitung unterstützen. Derzeit suchen wir Tester, mit deren Feedback wir den Kurs verbessern möchten, bevor er veröffentlicht wird. Hast Du Interesse Tester zu werden? Dann schreib uns eine E-Mail.

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